Lebererkrankungen
Hepatitis C
Therapie bei akuter Hepatitis C ist zu überlegen wegen der hohen Rate an persistierender Infektion
Die chronische Hepatitis C ist definiert als persistierender Nachweis von HCV-RNA im Blut über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten nach Beginn der Akutinfektion . Sie ist gekennzeichnet durch eine anhaltende Entzündung des Lebergewebes, die unbehandelt zu progredienter Fibrose, Zirrhose und hepatozellulärem Karzinom (HCC) führen kann .
2. Häufigkeit (Epidemiologie)
Deutschland:- Geschätzte Prävalenz: 400.000 - 800.000 Personen (ca. 0,4% der Bevölkerung)
Risikogruppen: i.v.-Drogengebraucher, Migranten aus Hochprävalenzländern, Dialysepatienten, HIV-Koinfizierte, Empfänger von Bluttransfusionen vor 1992 .
3. Ätiologie
Erreger: Hepatitis-C-Virus (HCV) – ein einzelsträngiges RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae . Es werden 6 Hauptgenotypen (1-6) mit zahlreichen Subtypen unterschieden . In Deutschland dominieren die Genotypen 1, 2, 3 und 4 .
Übertragungswege :- Parenteral (häufigster Weg): i.v.-Drogengebrauch, unsichere medizinische Injektionen
4. Natürlicher Verlauf
Chronische Phase (>6 Monate) : - Spontane Ausheilung in der chronischen Phase extrem selten, Fibroseprogression über 20-40 Jahre, 20-30% der chronisch Infizierten entwickeln innerhalb von 25-30 Jahren eine Zirrhose
Komplikationen bei etablierter Zirrhose : - Dekompensation (Aszites, Varizenblutung, Enzephalopathie): 2-5% pro Jahr. - HCC-Risiko: 1-4% pro Jahr
5. Diagnostik
Zur vollständigen Diagnostik gehören:
1. Anti-HCV-Screening
2. Bestätigung durch quantitative HCV-RNA-PCR (obligat!)
3. Genotypisierung (siehe separate Diskussion unten)
4. Fibrosebestimmung (FIB-4, Elastographie)
FIB-4- Score = Alter x SGOT/ Thrombozyten x Wurzel aus SGPT
wert kleiner als 1,45 niedriges Risiko, 1,45-3,25 Grauzone, >3,25 fortgeschrittene Fibrose
APRI-Score: SGOT/ oberer Normwert für SGOT, das alles geteilt durch Thrombos, anschließend mit 100 malgenommen,
Wert kleiner als 0,5, keine Fibrose, 0,5-1,5 Grauzone, >1,5 Fibrose wahrscheinlich, >2,0 Zirrhose
6. Therapie
Maviret (Glecaprevir/Pibrentasvir) – Standardregime für Ersttherapie:
8 Wochen bei therapienaiven Patienten ohne oder mit kompensierter Zirrhose
Wirksamkeit: >95-98%
Nebenwirkungen mild
Zugelassen für die Behandlung von Erwachsenen und Kindern ≥3 Jahren mit chronischer Hepatitis C der Genotypen 1, 2, 3, 4, 5 oder 6 – ohne Zirrhose oder mit kompensierter Zirrhose (Child-Pugh A)
8. Nachkontrollen nach Ausheilung (SVR)
Patienten mit Zirrhose (F4) vor Therapie: lebenslange HCC-Surveillance alle 6 Monate (Ultraschall ± AFP)
Reinfektionsrisiko: Bei Patienten mit anhaltendem Risikoverhalten (z.B. i.v.-Drogen) ist eine Reinfektion möglich. Bei diesen Patienten sollte regelmäßig (z.B. jährlich) eine HCV-RNA-Kontrolle erfolgen .
Quellen
1. University of Washington. "Glecaprevir-Pibrentasvir (Mavyret) – Treatment." Hepatitis C Online, 2025
2. AbbVie Deutschland. "MAVIRET – Fachinformation." RxReasoner, 2023
3. Robert Koch-Institut. "Epidemiologische Situation von Hepatitis B und C in Deutschland 2024." Epidemiologisches Bulletin 30/2025
4. Lingala S, et al. "Natural History of Hepatitis C." Gastroenterol Clin North Am. 2015;44(4):717-734
5. Korean Association for the Study of the Liver (KASL). "2025 KASL Clinical Practice Guidelines for Management of Hepatitis C." Clin Mol Hepatol. 2026;32(1):1-52
6. BMJ Best Practice. "Hepatitis C." BMJ Publishing Group, 2025
7. AbbVie Inc. "MAVYRET® (glecaprevir/pibrentasvir) – Prescribing Information." mavyret.com, 2025
8. Warpakowski A. "Maviret® – hohe Erfolgsrate bei chronischer Hepatitis C." Gastro-News. 2018;5:66
9. MVZ München am Goetheplatz. "Hepatitis C – Epidemiologie." mvz-mag.de